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Nein zur «Ehe für alle»!

Offener Brief der EDU an die Parlamentarier

Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte

Am Mittwoch, 3. Juni 2020 stimmt der Nationalrat über die parlamentarische Initiative «Ehe für alle» ab. Der Vorstoss der Grünliberalen-Fraktion will auf rechtlicher Ebene den Ehe-Begriff durch «Lebensgemeinschaft» ersetzen und für gleichgeschlechtliche und transsexuelle Menschen «öffnen».

Wir schreiben Ihnen aus Sorge um die historisch gewachsene Institution der Ehe, der bei einer Annahme der Initiative «Ehe für alle» eine nicht hinnehmbare Verwässerung droht. Wir bitten Sie höflich und hochachtungsvoll: Stimmen Sie aus staatspolitischen Gründen Nein zu diesem Vorstoss, der zu jahrelangen Auslegungs-Streitigkeiten führen und unzählige Folgeforderungen produzieren würde.

Aus abstimmungstaktischen Gründen hat sich in den Rechtskommissionen zwar knapp die Überzeugung durchgesetzt, die Vorlage (vorerst) nicht zu überladen. Niemand aber bezweifelt: Würde die Ehe erst einmal «für alle» geöffnet, wären der Zugang zu Samenspenden für lesbische Paare, die Zulassung für Kindsadoptionen oder dereinst sogar die Leihmutterschaft die nächsten logischen Schritte, für die das Feld unweigerlich geebnet würde.

Wir fragen uns in diesem Kontext besorgt: Was heisst denn eigentlich «für alle»? Wie können wir in Zeiten grosser gesellschaftlicher Verwerfungen, in denen stabile Verhältnisse den Menschen Halt und Sicherheit vermitteln, ausschliessen, dass die Ehe dereinst nicht für alle möglichen Extrem-Auslegungen geöffnet wird? Polygamie oder die Senkung des Heiratsalters sind derzeit gottseidank keine mehrheitsfähigen Anliegen. Wenn die Ehe aber jederzeit für alle und jeden – wie die parlamentarische Initiative suggeriert – zu haben sein soll, verliert sie ihre einzigartige Stellung und Würde. Wir aber wollen keine Gesellschaftsexperimente riskieren, die tonnenweise Juristenfutter produzieren und das Kindswohl ausser Acht lassen.

Die Ehe ist die natürliche, bewusst eingegangene Verbindung von Mann und Frau, aus welcher die Gesellschaft von Morgen gestaltende Kinder entstehen. Dies ist einer der breit akzeptierten Hauptgründe, weshalb der bestehende Ehe-Begriff seine bevorzugte, über Jahrhunderte bestätigte Bedeutung hat und glücklicherweise auch in der jungen Generation wieder wachsende Beliebtheit geniesst.

Mit uns sind wohl hunderttausende Menschen aller Gesellschaftsschichten der bewährten Meinung: Kinder brauchen einen Vater und eine Mutter, nicht «Elter 1» und «Elter 2». Was spricht dagegen, dieses durch die Ehe untermauerte Gesellschaftsmodell, das wohl mit zu den stärksten Stützen unserer Gesellschaft und des Staates gehört, zu erhalten und zu fördern?

Die Coronakrise beschert uns allen – der Wirtschaft und dem Staat – schwerste Herausforderungen, welche durchdachte, weise Entscheidungen der Politik erfordern. Welche triftigen Gründe gibt es, in dieser ausserordentlich fordernden Zeit eine gesellschaftspolitische Zerreissprobe vom Zaun zu reissen, welche die Menschen spaltet und zukunftsentscheidende Prozesse lähmt? In dieser Zeit brauchen wir Zusammenhalt und Gemeinsinn, um als Schweiz möglichst unbeschadet durch die Krise zu gelangen. Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine von Lobbying-Gruppen erzwungene, gegen christliche Werte gerichtete Identitätsdebatte.

In dieser emotionalen Diskussion ist es uns notabene sehr wichtig, ein stigmatisierendes Vorurteil zu entkräften, das Gegnern der Vorlage leider immer wieder an den Kopf geworfen wird: Eine Ablehnung der Ehe für alle hat rein gar nichts mit Geringschätzung anderer Lebensformen zu tun. Selbstverständlich sollen gleichgeschlechtlich empfindende Menschen respektiert und geschätzt werden. Rechtliche Absicherungen sind allerdings problemlos ausserhalb des Rechtsinstituts der Ehe möglich – schliesslich wurde mit der eingetragenen Partnerschaft schon vor etlichen Jahren eine Einrichtung ins Leben gerufen, welche genau dies ermöglicht.

Wir schätzen es, wenn Sie unserer Empfehlung folgen und Nein zur Ehe für alle stimmen. Wir bedanken uns herzlich für die Aufmerksamkeit.

Freundliche Grüsse

Für die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU) der Schweiz

Hans Moser, Präsident EDU Schweiz    
Roland Haldimann, Vizepräsident EDU Schweiz